Nehmen wir mal an...

Wer mir bei Instagram folgt weiß, dass ich viel Bahn fahre. Grundsätzlich mache ich das auch ganz gerne. Allerdings habe ich schon sehr viele "Störungen im Betriebsablauf" miterlebt - was alles mögliche bedeuten kann, aber immer, dass ich mindestens eine Stunde später an meinem Bestimmungsort ankomme. Ich habe schon soviele Fahrgastrechteformulare ausgefüllt, dass ich mir überlege, diese zu meiner Haupteinnahmequelle zu machen. Seit letzter Woche habe ich aber eine entzückende, silbern glitzernde Karte, die mir meinen erreichten Bahn Comfort Status bestätigt. Jetzt wird alles anders. Nicht. Aber das nur am Rande. Bei meiner Bahnodysse vorgestern war ich so genervt, dass ich nach meiner Fun-ta (Falchwitz, ich weiß) in der Lounge einen Frustkauf tätigte. Ich hatte die Wahl zwischen Bier oder Buch. Ich wählte letzteres. "Schnelles Denken, langsames Denken". Spiegel Online Besteller. Kann ja nicht so verkehrt sein. Schon die ersten Seiten waren interessant...

Zuhause angekommen (0:35) warteten weitere Bücher, die ich bestellt hatte auf mich. Die endlich deutsche Ausgabe über eine bestimmte Gesangsmethode (CVT) und eine englisches Buch über Songwriting (Adorning the dark). Mein Herz machte und macht bei den drei Büchern (sie liegen gerade neben mir) einen Sprung und ich fange fast an zu sabbern. Durst nach Wissen, Spannung, Inspiration, Bewegendem, Klärenden, Erwärmenden, .... Ihr merkt, ich mag Bücher. Ich habe einen Bücherei-Ausweis und gehe super gerne in Buchhandlungen. Als ich einmal in einer Buchhandlung in Münster war, war ich überwältig von den vielen Büchern, unzähligen Gedanken, Geschichten, Wissen, verteilt auf 4 Stockwerke... Dann habe ich mir vorgestellt wie große Riesenhände die Buchhandlung nehmen, umdrehen und kräftig schütteln und alle Buchstaben, Wörter, Sätze herausfallen, die keinen Bestand haben... Wieviele leere Seiten gäbe es da? Ich weiß es nicht. Oder was wäre, wenn man das mit aller Musik macht.... Schütteln, alle Töne und Worte fliegen raus, die ....

Ich bin ein Korinthenkacker, was Sprache angeht. Jemand sagte mal zu mir: "Das ist so kompliziert mit dir. Bei dir muss man alles immer so präzise formulieren." Ich habe darüber nachgedacht und dann gesagt: "Für mich ist es kompliziert, wenn man nicht präzise formuliert. Woher soll ich denn wissen wie etwas und was gemeint ist?" Dann fangen die Annahmen an.... oh, und ich kann aus eigener und vielfacher Erfahrung sagen, dass das nicht gut ausgeht.... Alex (mein Mann) und ich haben es uns angewöhnt uns gegenseitig darauf aufmerksam zu machen, wenn wir auf eine eigene Annähme reagieren. Das rockt! Und nimmt ganz viel Konfliktpotential raus. Beispiel: Alex fragt mich, ob ich schon gestaubsaugt habe. Meine Annahme könnte sein: Poah, der will, dass ich jetzt noch mehr mache. Das hat er aber gar nicht gesagt. Wenn ich dann motzig reagiere, reagiere ich auf die Annahme, nicht auf den Inhalt. Außerdem fragen wir nach: "Wie meinst du das?" Das rockt auch. 

Tina Dico, eine meiner liebsten Songwriterinnen, hat mal gesagt, dass sie, wenn sie nicht Musikerin geworden wäre, Lehrerin geworden wäre. Weil es für sie da ganz viele Parallelen gibt. Unter anderem, dass man eine Idee, einen Focus nimmt und ihn für jemand anderen erklärt und beleuchtet. Das kann ich nachvollziehen. Für mich ist ein Song auch wie ein Foto. Eine bestimmte Einstellung, eine bestimmter Blickwinkel,.... Und dass ist genau das, was ich am Songwriting liebe. Das Eintauchen in einen Blickwinkel, damit zu ringen, diesen so gut und "schön" wie möglich heraus zuarbeiten und auch nochmal Extrarunden zudrehen  - in den Lyrics, der Musik und in dem Spiel der beiden miteinander. Das liiiiiiiebe ich ..... Der Song soll nicht irgendwie "funktionieren"..... er soll faszinieren, beleben, aufrütteln, LEBEN..... 

In diesem Zusammenhang sehr sehenswert: Die Serie "Abstract" auf Netflix. Vor allem die Episode von Christoph Niemann (Grafiker) und Plato (Fotograf).

Ganz großartig!!! Und lehrreich.... Diese beiden Folgen sind immer Pflichtfolgen für meine Studenten....

 

So, jetzt lese ich eine Runde (auch mit dem Gedanken im Kopf: was der Autor schreibt, ist das Fakt oder Annahme)....

 

Bis bald, Katelin  

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Esra (Mittwoch, 23 Oktober 2019 11:31)

    Bücher horten ist toll- oder wie Diane duane sagen würde: Reading one book is like eating one potato chip.”