Ein Dank an unsere Holzdielen

Guten Morgen. 

 

Ich hatte schon einen neuen Artikel zu einem ganz anderen Thema fast fertig gestellt, aber ich war nicht happy damit. Weil ich mich gerade so matt und müde fühle und soviel los ist und mir der "Funke" im Artikel fehlte. Gemäss Marie Kondo: No joy. (Ich bedanke mich bei meinem Artikel-Entwurf und sortiere ihn aus).

 

"Und wie isses?"

"Ganz ok. Ist halt nur grade echt viel." 

 

Ich kann mich selber nicht leiden, wenn ich diese Antwort gebe - auch wenn sie oft stimmt. 

Irgendwie ist immer viel. Mehr oder weniger viel. 

Dazu kommt, dass man schnell misstrauisch wird, wenn jemand sagt: "Mir geht es echt gut. Und ich bin gar nicht gestresst." Ich warte dann nur darauf, dass sich jemand wie ein Geier auf mögliche, seltene Kapazitäten meinerseits stürzt und etwas von mir erwarten könnte, was mich sofort wieder in die Überforderungsumlaufbahn katapultiert. Im Zweifelsfall bin ich selbst der Geier.

Budendienst beim Fussball, Lesehilfe in der Schule, Bliss Balls, 1x in der Woche alles putzen (ich bekenne: das mache ich oft nicht. Ok. Sehr oft nicht. Fast nie. An dieser Stelle ein dickes Danke an unsere alten Holzdielen, die es mir Woche um Woche treu vergeben und mich sogar decken)....

 

Und wenn man viel hat, sind die Menschen um einen herum oft verständnisvoll. "Wie du das alles schaffst." (überzogen mit einer zuckersüßen Glasur aus Ver- und Bewunderung).

Anfang der Woche unterhielt ich mich mit einem lieben Freund, der erzählte, er habe jetzt seeehr viele Tage durchgearbeitet. Ich weiß gar nicht mehr wie ich reagieren soll, entdecke mich selber auch darin und es geht vielen so ... 

 

 

Ich weiß, dass Leben oft so ist und trotz guter Planung alles "vollläuft". Dann gibt es einmal die Dinge, die einfach so aus dem Nichts auftauchen und um die man sich unerwartet kümmern muss und will. Ein Familienmitglied wird länger krank, das Kind hat Probleme in der Schule... Dann gibt es viele schöne und gute Optionen, die sich bieten - eine Radioaufzeichnung des anstehenden Konzertes, ein Treffen mit einer Freundin die man schon lange nicht gesehen hat, ....  

Und zu guten Dingen oder Optionen „nein“ zu sagen fällt oft noch schwerer. Nächstes Wochenende startet die kleine, exklusive Adventstour mit Marc und Silvia Egles von der SchallWerkStadt (an der ich Dozentin bin) und auf die ich mich sehr freue. Als Marc mir eine Mail schickte und mich fragte ob wir am Montag nach der Tour noch eine Radioaufzeichnung beim ERF machen könnten ... was soll man da sagen? Natürlich wäre das cool. Und natürlich möchte ich die beiden auch nicht hängen lassen - sie sind nämlich ganz großartig und außerdem liebe ich es mit ihnen Musik zu machen. Natürlich könnten sich dadurch neue Möglichkeiten ergeben... Ich werde jetzt nicht damit prahlen, dass ich "nein" gesagt habe. Denn die Entscheidung war tough.  Aber ich habe mir andere Auswirkungen vor Augen gehalten. Die haben mit meiner Familie und der eh schon vollen Vorweihnachtszeit zu tun, dem Termin- und Organisationschaos, was dadurch entsteht und damit, dass ich nicht auf die Adventsfeier mit Basteloption meines Sohnes gehen könnte. Bin ich mir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist? Nein und ja. Aber ich musste sie treffen (wer sonst?) und im Zweifelsfall kommt die Familie zuerst. Aber das tatsächlich im Kleinen zu leben ist nicht immer so einfach und kostet auch etwas - vielleicht, dass ich nicht mehr reich und berühmt werde. :-) Aber ich gewinne auch viel. Und das hat damit zu tun, was auf lange Sicht (für mich) zählt.

Ich habe vor ein paar Jahren meine eigene Beerdigungsrede geschrieben. Das klingt etwas morbide, war aber einfach nur eine Aufgabe in einem Coachingbuch. Ich fand und finde das sehr hilfreich (auch wenn ich mit dem Thema Tod so meine Auseinandersetzungen habe).  Und tatsächlich hat mich das sehr eingenordet. 

Es gibt mir schon mal die Kraft "nein" zu sagen - auch wenn es schwer fällt. Ein wichtige Frage war zum Beispiel für mich "was könnte ich mir verzeihen und was nicht". "Was würde ich bereuen?" Dadurch sortiert sich einiges.... fordert aber eben auch heraus, den Arsch in der Hose zu haben (sorry!), das wirklich auch zu leben. Auch wenn die böse, böse Welt und oft auch ich in Kooperation mit ihr oft anderes propagieren. 

 

Und so schließe ich für heute mit Marie Kondo (und nein: bei uns Zuhause sieht es nicht magisch aufgeräumt aus - but I tried):

 

Have Joy! Einen wundervollen Start in den Advent!

 

Katelin 

 

 

P.S. Einfach nur um euch zu zeigen, dass ich die Prioritäten richtig setze: Heute geht es ins Stadion. :-)))))