Eine lange Liste

Die vier Kerzen leuchten verheißungsvoll im Küchenfenster. Ich liebe die Morgenstimmung. Den hellen Schein der Kerzen im Dunkel.
Ich sitze auf dem Sofa, genieße die Ruhe. Meine Gedanken wandern zu dem großen Papier, dass ich mit pinkem Washi-Tape an die alte Schiebetür neben meinem Schreibtisch geklebt habe. Während sie dorthin wandern, bleiben sie am Tisch hängen, der überquillt. Das Midi-Keyboard, Geschenke, die ich einpacken will, Unterrichtsunterlagen, ein Party-Einladung, eine kleines Schüsselchen in dem sich ein 5-Cent Stück, eine Haarklammer, ein Einkaufschip, eine Schraube, ein Daumenpick (von dem mein Daumen immer blau wird), ein Radiergummi und eine Walnuss die Zeit vertreiben... Die Gedanken halten kurz inne und setzen ihren Weg fort, bis sie schließlich vor dem Papier Rast machen. Sie stromern zwischen den unzähligen Worten, die dort durcheinander gesammelt sind hin und her. Ich seufze. Schnell gekrockelte Wörter, manchmal unterstrichen, auch Ausrufezeichen sind vertreten, kleine und große. Mein Blick geht dem Wort Planschbecken ins Netz und wandert rückwärts. November, Oktober, September, August, Juli. Es ist heiß. Sehr heiß. Und Sommer. Ich hole das Planschbecken aus dem Keller, zerre es auf die Terrasse und breite es knatschend aus. Ich schelte mich. Ich hätte es nach dem letzten Gebrauch sauber machen sollen. Qualitäts- Gartenschlauch muss her... ein Schwamm. Dann pumpen. Dann wieder der Schlauch. Klares, kühles Wasser fließt in das kleine Schwimmbad. Es dauert. Aber schließlich ist es gefüllt. Die halbe Terrasse besteht nun aus Wasser. Ich rufe meinen Sohn. Wir stecken unsere Füße in das kühle nass. Ahhhh. Das tut gut. Ich lächle bei dieser Erinnerung. Und meine Gedanken steigen aus dem Planschbecken und wandern weiter....

Was sich dort an der in alt-weiß gestrichenen Schiebetür befindet ist eine Liste - und da steht massig Zeug drauf. Es ist allerdings keine „To do“ Liste, sondern eine „Did it“ Liste. Und die lässt mich immer wieder mal staunen. Da lässt sich vieles finden - wie in dem Schälchen auf meinem Schreibtisch. „Bin aufgestanden“ (auch das ist manchmal schon eine Leistung), „Wäsche“, „Joggen“, Schulleiter angerufen“, „Planschbecken aufgebaut“, „gekocht“, „Song fertig“, „Wanne geputzt“, „Terrasse“, .....

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. MIt kleinen und großen Dingen. Mir hilft sie dann und wann, den Blick in eine andere Richtung zu ziehen. Weg von „To dos“ zu „Yeah, das hab ich alles geschafft“. Wenn man alles aufschreibt wird einem fast schwindelig. Wo ist mein Cape... Ich reiße einen Arm nach oben... Hier kommt Katelin, Superwoman. Das passiert natürlich auch nur in Gedanken. 

 

In diesem Sinne wünschen ich euch frohe Weihnachten, lasst die „To do“ Liste ruhen, freut euch über „Yeah, I did it“ und schließlich, was Weihnachten angeht: „He did it“.

 

Eure Katelin

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Kommentare: 1
  • #1

    Katha (Sonntag, 22 Dezember 2019 23:01)