13. März 2021
Fucking first times
„Ich bin krank.“ Ich habe einen innerlichen Schock. Lasse mir aber nichts anmerken. Außerdem merke ich, dass es meinem Gegenüber am Telefon nicht leicht fällt, mir abzusagen. Mein Hirn rattert und ich fahre meine Gedanken herrisch an, einen ordentlichen Zahn zuzulegen, sich zu formieren und zu sortieren. Was mache ich jetzt? Mein Freund und Gitarrist bietet zögernd an, trotz Krankheit nach Berlin zu kommen, um meine EP mit mir aufzunehmen. Mir ist völlig klar, dass ich das nicht...
10. Januar 2021
Die Hornhechtsynapse
„Und nun Frederick, was machst du jetzt?“ „Ich sammle Farben“, sagte er nur, „denn der Winter ist grau.“ (Aus: „Frederick“ - Leo Lionni) Grau. Was ist das eigentlich für eine Farbe? Nicht eigenständig und nicht aussagekräftig. Eine unbunte Nicht-Farbe. Uninteressant. Nichts an ihr, was meinen Geist wie ein Fisch nach dem Köder schnappen lässt. Und genau das bräuchte ich jetzt. Einen Köder für meinen Geist. Damit ich anbeiße und am Haken hänge. Ich pule zum Entsetzen...
27. Dezember 2020
Vor einigen Jahren fuhren meine Freundin Katha und ich nach Köln ins Kino (Katha ist in meinem Video „Summerwind“ zu sehen). Wir wollten uns den Film „Pina“ von Wim Wenders anschauen. In 3D. Es gibt ein köstliches Foto von uns, in dem wird beide diese rot-grünen Brillen im Aufzug tragen. Der Film ehrt Pina Bausch, die deutsche Tänzerin und Choreographin, verstorben 2009. Als das Licht nach dem Ende des Films wieder anging, wir aus den roten, samtenen Kinosesseln aufstanden, auf...
27. Juli 2020
Wir sind am Meer. Mein Mann, meine Kinder und ich stehen im Wasser und jauchzen vor Vergnügen. Der Wind hält uns wach. Die Welle kommt, klatscht gegen unsere Körperfronten, wir lecken das Salz von unseren Lippen. Ein kurzer Moment der Ruhe, dann bündelt das Wasser seine Kraft, bäumt sich auf, bricht mit schäumender Wucht zusammen. „Mama, die war soooo krass.“ Ich drehe mich in die andere Richtung um, blicke mit einem erwartungsvollen, kleinen Lächeln zurück über meine linke...
28. April 2020
Verstummt. Das bin ich. Stumm wie ein Fisch. Ein schuppiger, glänzender Goldfisch im kugelrunden, dickwandigen Glas, der mit großen Augen durch die durchsichtige Lock-down-Wand schaut und dabei seine Flossen wie Flügel kontinuierlich bewegt als würde er abstürzen, wenn er die Bewegungen unterlässt. Ab und zu steigt eine Luftblase nach oben, dann dreht er wieder eine Runde, dann wieder eine Luftblase. Stumm und unproduktiv, dieser Fisch. Im letzteren Punkt unterscheide ich mich allerdings...
14. Februar 2020
Neulich hatte ich ein Erlebnis der anderen Art. Ich war eingeladen, mit meiner Musik auf einer Veranstaltung zu spielen. In der Pause kam eine ältere Dame auf mich zu und begann sofort auf mich einzureden. Es prasselten unzählige Hagelkörner der Empörung in Tennisballgröße auf mich ein. Wir seien in Deutschland und ich solle gefälligst deutsch singen, es sei ein Unding und unverschämt... Ich hege keine Sympathie für Hunde (ich jogge oft und mag keine sabbernden Freunde des Menschen,...
31. Januar 2020
Ja, ich gebe es zu. Ich habe mich gefreut als in unserer Lieblings-Schoko-Nuss-Creme mit lauter einkettigen Kohlenhydraten kein Palmöl mehr zu finden war. Meine Freude war jedoch von kurzer Dauer. Ich hielt das Glas in unterschiedlichen Abständen vor meine Augen und neben der Tatsache, dass kein Palmöl zu erkennen war, waren auch keine anderen Zutaten enthalten. Nur ein verschwommenes Grau, das sich vom Weiß des Etiketts schwammig abhob und einen großen Interpretationsspielraum ließ....
16. Januar 2020
„Und? Was machen wir heute?“ Ich: „Verwegen französisch.“ Ich sitze beim Friseur. Jedesmal vor einem anstehenden Termin frage ich mich, ob ich nicht mal was ganz anderes machen sollte. Und irgendwo doch DIE Frisur zu finden ist, die meinen Look definiert, mich umwerfend aussehen lässt und dabei völlig unkompliziert ist. Meine digitale Pinnwand enthält eine Sammlung von Frisuren für Locken. Gewagte, mit Pony und ohne, lang, kurz.... Ich bleibe immer wieder an einem Foto hängen....
06. Januar 2020
Ich komme gerade eben aus einer anderen Welt. Einer Art Paralleluniversum in der andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Ich kenne Orte und Menschen und ich kenne andere nicht. Ich tue gewohnte Dinge und Dinge, die ich noch nie getan habe. Ich bin mir vertraut und eine Fremde zugleich. Nachts, in meiner Traumwelt passieren die verrücktesten Sachen. Ich treffe Menschen, die ich im realen Leben nur aus den Medien kenne, bereise ferne Länder, tauche und begegne einem Wal (später wird aus diesem...
22. Dezember 2019
Die vier Kerzen leuchten verheißungsvoll im Küchenfenster. Ich liebe die Morgenstimmung. Den hellen Schein der Kerzen im Dunkel. Ich sitze auf dem Sofa, genieße die Ruhe. Meine Gedanken wandern zu dem großen Papier, dass ich mit pinkem Washi-Tape an die alte Schiebetür neben meinem Schreibtisch geklebt habe. Während sie dorthin wandern, bleiben sie am Tisch hängen, der überquillt. Das Midi-Keyboard, Geschenke, die ich einpacken will, Unterrichtsunterlagen, ein Party-Einladung, eine...

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